Ein Raum kann nicht nicht klingen

„Man kann nicht nicht kommunizieren“. Dieser berühmte Satz von Paul Watzlawick erinnert uns daran, dass wir immer kommunizieren.

Genauso sollten wir uns bewusst machen: Kein Raum klingt nicht. Jeder Raum wirkt akustisch – immer. Niemand kann sich dem Einfluss der Raumakustik entziehen. Sie ist ein wesentlicher Teil unserer Umgebung – und diese prägt unser Erleben massgeblich.

Illustration: Kein Raum kann nicht nicht klingen (KI-generiert)

Diese Einsicht macht Bauherrschaften, Architektinnen, Planer und Vermieterinnen immer zu Mitgestaltern oder gar Täter des Raumklangs. Und wie bei der Kommunikation kann schon das Bewusstsein über diese Wirkung das Ergebnis verbessern: Räume werden bewusster komponiert und durchdachter gestaltet.

Gleichzeitig sind die Bewohnerinnen und Nutzer von Räumen mitverantwortlich. Denn meist wählen wir unsere Umgebung selbst: Wohnraum, Arbeitsplatz oder Treffpunkt. Wir entscheiden – bewusst oder unbewusst – für oder gegen Qualität, auch akustisch.

Umgebung wirkt. Und die Umgebung ist oft selbst gewählt.

Doch nicht alle Menschen können ihre akustische Umgebung frei bestimmen:

  • Kinder haben keinen Einfluss auf die Akustik ihrer Kita oder ihres Klassenzimmers.

  • Patientinnen wählen nicht das Behandlungszimmer.

  • Mitarbeitende nicht immer den Konferenzraum.

  • Bürger nicht das Gemeindehaus oder die Aula für eine Versammlung.

Zudem gibt es viele Menschen mit erhöhtem Bedarf an guter Sprachverständlichkeit: Menschen mit Hör- oder Sprachstörungen, mit Konzentrationsschwierigkeiten oder jene, für die Deutsch nicht die Muttersprache ist. Laut dem Bundesamt für Statistik (BFS) trifft das in der Schweiz auf jede dritte bis vierte Person zu. Das ist keine Randgruppe und der Anteil nimmt jährlich zu.

Für diese Menschen tragen die Bauherrschaften, Architektinnen, Planer und Vermieterinnen eine besondere Verpflichtung.

Genau hier setzt die neue SIA-Norm 181/1 für Raumakustik (sia.ch) an, gültig seit heute, dem 1. Februar 2026: Sie ist ein praxisnahes Werkzeug, das die komplexe Raumakustik auf wenige, klar definierte Nachhallzeiten reduziert – differenziert nach Raumnutzungstypen und Frequenzbereichen.

Die SIA-Norm 181/1 ist eine Norm, die alle Menschen mitdenkt – auch Menschen mit erhöhtem Bedarf an Sprachverständlichkeit – also Menschen wie der hochgradig schwerhörige Autor dieses Blogposts.

Damit diese Norm auch in der Planung und Kommunikation verständlich bleibt, haben wir ein unterstützendes Werkzeug entwickelt: Unsere Nachhall-App. Sie macht raumakustische Massnahmen anschaulich, besprechbar und erlebbar – für alle Beteiligten.

Da Räume nicht nicht klingen können, sollten wir sie nach besten Wissen komponieren.


Impulse für gute Gespräche:

  • Wann hast du erlebt, dass Zuhören schwer oder leicht war – wegen des Raumes?

  • Wie entsteht Gemeinschaft durch Gestaltung?

  • Was bedeutet für dich gegenseitige Achtung?

Diese Fragen sind inspiriert von Persönlichkeiten aus Architektur, Akustik, Nachhaltigkeit, Kunst und Philosophie und stammen aus unserem Kartenset „100 gute Fragen für 200 gute Gespräche”.

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